Reisetagebuch der Teilnehmenden der Studienreise des Pestalozzi-Fröbel Verbands ins Land der Learning Stories 2014

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Neuseeland ist überall – oder?

Die Eindrücke und das Wissen aus den unterschiedlichen Begegnungen aus Neuseeland für uns auf positive Weise nutzbar machen – aber wie?

Ein persönlicher Anfang …

Hier gelandet von meiner Reise nach Neuseeland, habe ich schnell gemerkt, dass „die Seele noch Zeit braucht“, um hier wieder anzukommen. Waren es doch so viele Erlebnisse und Begegnungen, die mich emotional ganz tief berührt haben.

Der Versuch, diese Eindrücke alle zu sortieren und auf den Punkt zu bringen – mal wieder typisch … – ist kläglich gescheitert! Es war einfach eine Fülle!

Nach einer Woche zuhause bin ich von meinen Kolleginnen an meiner Arbeitsstelle so herzlich und freundlich begrüßt worden, dass ich schon dachte: „Bin ich doch noch in Neuseeland?!“

Und bei der Frage nach den Erlebnissen bin ich dann immer wieder so sehr ins Schwärmen gekommen…: „Ach ich wäre so gerne dort geblieben – und ich glaube, meine Seele ist noch nicht ganz angekommen!“

In diesen Momenten des Erzählens und Schwärmens habe ich schnell beobachten können, dass die Kolleginnen gegenüber bald ein eher frustriertes Gesicht gemacht haben: „Und unser Alltag …!?“

Diese Momente haben mich auch tief berührt: Das war es nicht, was ich wollte! Es geht mir keinesfalls darum, zu vermitteln, dass es dort „besser“ ist und hier „schlechter“!

Aber wie kann ich meine Erkenntnisse teilen und wie können wir sie gemeinsam für uns nutzen?

In dieser Woche war ich auch beruflich in den KiTas unterwegs, z.B. zu einem Praxisgespräch mit einer pädagogischen Fachkraft, die gerade ihre einjährige Bildungs- und Lerngeschichten Fortbildung macht, gemeinsam mit der Einrichtungsleitung, ihrer Praxisbegleitung im Lernprozess. Auch hier die Frage: „Wie war´s?“

Weil ich gedanklich noch so stark mit Sortieren und Reflektieren der ersten Begegnungen hier beschäftigt war, war ich jetzt erst mal etwas verhaltener mit dem Schwärmen, habe von ein paar mir wichtigen Eindrücken und Begegnungen erzählt und habe auch erzählt, dass ich noch so viel zu sortieren habe …

Dieser erste Praxisbesuch wurde dann zum Schlüsselerlebnis für mich! Die Teilnehmerin der Fortbildung erzählte, wie sie gestartet ist in ihrem Lernprozess … – mit Beobachtungen, mit Analysen, mit Kollegialem Austausch … Sie erzählte, welche Fragen und neuen Ideen für die gemeinsame Arbeit im Team sich bei ihr entwickelt haben und wie sich damit einen ganz entscheidenden Prozess im Team angestoßen hat. Was sich dann seither im Team sowohl in den Arbeitsformen als auch im Miteinander verändert hat, und dass sie darüber sehr glücklich ist! Es war ein solch berührender Moment, dass es mir ganz kalt vor Rührung über den Rücken lief und sich die Gänsehaut über meinen ganzen Körper zog.

Ich hörte mich sagen: „Neuseeland ist hier! Hier mitten in Reutlingen ist ein Stück Neuseeland!“

Und mir wurde klar: Ich möchte hier nach wie vor die Schätze suchen, die uns gemeinsam berühren und weiterbringen in unserer Arbeit mit den Kindern und Familien und in unserem beruflichen Zusammenleben! Die wunderschönen berührenden Momente im Zusammensein mit Wendy Lee, Kathryn Delany, Lynn Rupe, Margaret Carr, den OMEP-Frauen und all den neuseeländischen pädagogischen Fachkräften während der Neuseelandreise haben mir noch mehr den Blick geöffnet und geweitet, für das, was hier schon alles aus eigener Kraft im Zusammenspiel von Trägern, Einrichtungsleitungen und Teams entwickelt wurde! Ich bin noch mehr als zuvor in der Lage, die Schätze zu finden und uns und die pädagogischen Fachkräfte voller Überzeugung zu bestätigen und zu ermutigen, Ihren Weg mit den Bildungs- und Lerngeschichten als „loving professionals“ gemeinsam weiter zu gehen!

Mit diesem offenen und findenden Blick bin ich weiter in meinem Alltag unterwegs: Überall habe ich so viele Perlen – habe ich Neuseeland – entdeckt und darüber gesprochen!

Freiberuflich war ich in dieser Woche auch schon unterwegs – ein Abschlussmodul einer Bildungs- und Lerngeschichten Staffel, an der ich als Multiplikatorin für die Bildungs- und Lerngeschichten zusammen mit einer Tandem-Kollegin mitwirke.

Die erste Frage meiner Tandem-Partnerin war: „Würdest Du heute 10 Minuten von Neuseeland erzählen?“ „Nein“, war meine Antwort, „ich möchte nichts vortragen und nicht 10 Minuten am Stück über Neuseeland erzählen. Ich habe für mich noch nicht alles gut sortiert und da komme ich so ins Schwärmen, dass das was wir hier tun so klein wirkt. Das möchte ich nicht! Ich möchte auch heute hier lieber auf Schatzsuche gehen! Ich verspreche, dass ich mich an jeder Stelle einklinke, an der mir irgendwie ein Eindruck aus Neuseeland aufploppt. – Das ist dann nämlich die Entdeckung einer Perle, eines Schatzes – der schon da ist! Und mein Ziel ist es, das was schon da ist, zu bestätigen und darin zu ermutigen, gemeinsam weiter zu machen!“

Ich – und ich glaube nicht nur ich – bin nach diesem Tag sehr glücklich nach Hause gefahren: Ich habe ganz viele Stellen zum Einklinken und Erzählen gefunden – ganz viele Perlen, Edelsteine, Schätze!

So weit für heute mit meinen ersten für mich berührenden Eindrücken meiner Begegnung mit mir und der Begegnung von Neuseeland und Deutschland in meinem Arbeitsalltag!

Liebe Grüße an alle aus der „German Study Group“

Karin Trautwein

P.S. Das Bild zu diesem Beitrag ist mein Lieblingsbild aus den „botanischen Schätzen“ von Neuseeland – ist das nicht ein Troll? – Smile!

In ganz Neuseeland bekannt…

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23.10.2014 Napier

Seit dem Abschluss der Studienreise sind schon 4 Tage vergangen. Immer noch neugierig betreten wir das Büro von Porse, das dem Augenschein nach etwas mit Tagesmuettern zu tun hat. Etwas entschuldigend erklären wir unser Interesse damit, dass wir in Deutschland in der Frühpädagogik arbeiten. ‚Oh,‘ kommt die Reaktion, ‚Pestalozzi-Froebel, isn’t it?‘ Verblüfft und sprachlos nicken wir. Welcher Ruf eilt uns voraus? ‚I was at the conference, too.‘

So hatten wir gleich einen Anknüpfungspunkt. Unsere Gesprächspartnerin bildet Tagesmuetter aus und besucht jede, die bei Porse (www.porse.co.nz) angestellt ist, einmal monatlich. Porse ist ein privater Träger. Sie kooperieren mit Plunket und Parents as first teacher, und bieten z.B. Spaziergänge für Familien an.

22.10.2014 Gisborne

Unsere Privatunterkunft in Gisborne brachte uns weitere Begegnungen und Verknüpfungen mit Lerngeschichten. Beim Tee baten uns die Gastgeber von der Konferenz zu berichten. Als ihnen klar wurde, wovon wir sprachen, zeigten sie uns begeistert die Lerngeschichtenmappen ihres Enkelkindes in Dunedin. Und wir konnten ganz gemütlich weitere Lerngeschichten lesen. Die Welt ist klein. Und sie verändert sich durch relationship and enthusiasm…

Die Studienreise wirkt nach und sie zieht Kreise und ist noch lange nicht vorbei.

Wir sind uns sicher, dass es bei euch anderen Teilnehmerinnen aehnlich ist und gruessen euch herzlich!

Susanne und Daniela

„Knowing Yourself, that is wisdom“

Am Freitag, den 17.10. war es soweit – an der Universität in Hamilton trafen wir Margret Carr, die „Mutter der Lerngeschichten“.
Herzlich begrüßte sie uns bereits auf dem Parkplatz …unser erster Eindruck: ein unkomplizierter, ganz und gar uns zu gewandter Kontakt.
In den Mittelpunkt ihrer Begrüßung stellte sie ihr Selbstverständnis an der Universität das Feld, die Praxis und die Theorie an der Universität nicht nur zusammenzuführen,wie wir es durchaus auch aus unseren Zusammenhängen kennen, sondern in einer besonderen Weise der Zusammenarbeit zu verknüpfen,Hand in Hand zu arbeiten.

In der beispielhaften Vorstellung von inzwischen 20 Veröffentlichungen rund um die learningstories seit den 90zigern Jahren leitete sie her,wie sich die Philosophie und das Konzept der learningstories immer weiter entwickelt hat, zu letzt mit deutlichem Focus auch auf die Anwendung in der Schule. Mit einem immer vergleichbaren Aufbau: Theory, Research, example, references, reflecting questions wird unterstrichen, dass letztendlich die Entwicklung aus dem Feld selbst kommt und sich die Forschung und damit das Team an der Universität der Praxis „beiordnet“. „Teachers are the researcher and decide, what they want to research.“ Dass die Autorinnen aus dem Feld kommen – kein Thema…für deutsche Verhältnisse in diesem Umfang wenig vorstellbar…auch, dass der Name Carr oder Lee nicht zwingend an erster Stelle steht!
Für uns alle wohl mit am faszinierensten war,wie Margret in hoher Konzentration die letzte Version des progressiv Filter am whiteboard skizzierte und zusammen im Dialog mit Wendy die sich ergebenden Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen „filterebenen“ ausführte.
Die Zusammenarbeit zwischen Wendy und Margret zu beobachten, machte erfahrbar, wie sich Ideen und Ressourcen verknüpfen, wie auch die beiden „Hand in Hand“ arbeiten und wie die Dynamik in der Weiter-Entwicklung der learningstories entsteht. Lernen entsteht in der Schnittmenge zwischen dem Kind und der Umgebung, so führten beide in Anlehnung an Bronfenbrenner aus! Vielleicht entsteht ja ein Teil der Entwicklung der learningstories in der Schnittmenge zwischen Wendy und Margret?

Kariane Höhn

A dream came true…

Vor 7 Jahren zu meinem 50igsten hab ich mir Neuseeland als Lebenserfahrungsziel ausgesucht. Offen war, mit wem, wann, wie lange,was genau… Dieses Jahr 57/57 :-))) ist es realisiert. 5 1/2 Wochen mit unterschiedlichen Formationen an unterschiedlichen Orten mit verschiedenen Inhalten. Ein wesentlicher Teil war die begegnungsreiche, tief inspirierende Studienreise mit dem Pfv. Die Willkommenskultur in NZ ist überall spürbar und zeigt sich in besonderer Weise auch in den Kitas und der Praxis der beziehungsvollen, achtsamen, respektvollen und engagierten gelebten Philosophie des Te Wariki und der learningstories. Es ist unbeschreiblich und zu Herzen gehend. Wendy Lee und all Ihre Wegbegleiterinnen und Margret Carr Sind Visionärinnen mit Kopf, Herz und Verstand. Und das die Kultur der Majorität, die Dimension Marei wird ergänzend fühlbar, wasan Bedeutung gewonnen hat und gewinnt ist ein Segen für NZ. Heidi

Ein herzliches Willkommen

In jeder Kita wurden wir schon morgens auf der aktuellen Mitteilungstafel angekündigt und begrüßt. So wussten Eltern auch, dass wir kamen.
Und wir fühlten uns in jeder Einrichtung herzlich willkommen!
Das setzte sich fort, denn die Fachkräfte achteten sehr darauf, uns persönlich zu begrüßen und signalisierten immer, dass sie für unsere Fragen offen stehen.
Wie wunderbar, welchen Einblick sie uns in ihren Alltag damit ermöglicht haben und wie selbstverständlich dies geschah.
Susanne